Der “große” Caminho Português ab Lissabon (600 km) ist weniger populär als der kleine” portugiesische Jakobsweg ab Porto (250 km)doch nicht unbedingt weniger reizvoll.

Gastbeitrag von Anna Katharina Pikos

Eckdaten zum Caminho Português von Lissabon aus

Ich bin Ende August 2017 in Lissabon losgegangen und war Mitte September in Porto verabredet, um den Weg nach Santiago fortzusetzen. Ich spreche fließend Portugiesisch und Spanisch, hatte aber den Eindruck, dass man auch mit Englisch recht gut überleben konnte. Ich kannte nur Lissabon, Porto und Teile der Algarve und wollte das ländliche Portugal kennen lernen – das ist mir auch gelungen. Landschaftlich war es abwechslungsreich (Großstadt und Asphalt bis Siedlung und Feldweg).

Reiseführer

Auf einem eReader hatte ich Kartenmaterial von Brierley (Reiseführer) dabei. Das hat für mich vollkommen ausgereicht, es enthielt den Weg, Höhenunterschiede und mögliche Zwischenetappen mit Unterkünften.

Mit Fotos kann ich nicht dienen, da mein Smartphone bis auf 2-3 kurze telefonische Anrufe zu Hause ausgeschaltet war und blieb – ich habe bewusst auf sämtliche soziale Medien verzichtet und habe das sehr genossen. (Wir ergänzen diesen Beitrag nachträglich noch mit Fotos).

Karte vom portugiesischen Jakobsweg ab Lissabon

Karte Camino Portugues ab Lissabon

Karte Caminho Português ab Lissabon.

Infrastruktur (Wegemarkierung, Herbergen)

Die Wegmarkierung war eigentlich kein Problem. Der erste Tag war eine Herausforderung, denn in Lissabon und Umgebung den gelben Pfeil zu entdecken, war nicht einfach. Letztendlich kann man einfach immer in Richtung Norden laufen und sollte irgendwann den Fluss Tejo zur Rechten haben, dem man erstmal folgt. Ich bin anfangs sicherlich nicht immer wirklich auf dem Weg gelaufen, wusste aber die ungefähre Richtung und habe mich gefreut, wenn ab und an doch mal ein kleiner gelber Pfeil auftauchte.

Zweimal war es morgens nicht ganz einfach, den richtigen Weg zu finden. Einmal war es noch dunkel, als ich aufbrach, also selbst schuld; beim zweiten Aufbruch in der Dunkelheit habe ich mich daher einer kleinen Gruppe angeschlossen, bis es hell war. Ein anderes Mal war der Weg einfach sehr schlecht markiert (das Feld-Wald-Wiesen-Stück nach Tomar), aber das gehört auch dazu.

Meist fand ich es einfacher, mich nicht im Vorfeld für eine bestimmte Unterkunft zu entscheiden und die dann zu suchen (hat einmal bestimmt eine Stunde lang gedauert, war aber auch sehr gut dort). Eine kirchliche Einrichtung, in der ich eigentlich bleiben wolle, hatte z.B. Betriebsferien. In einem Dorf in den Bergen gab es genau eine Herberge – hat aber auch gereicht. In einem anderen Dorf wurde man direkt abgefangen und in eine neue Herberge gelotst, die mit einem Swimmingpool warb (natürlich einer zum Aufstellen im Garten).

Die meiste Werbung, das war anfangs wirklich suspekt, machte jemand für seine neue Herberge in Santarém: er kam auf einem Quad in den letzten Teil des Weges (weites Feld, Hitze, Staub und sonst nichts) herausgefahren und verteilte Wasser und Infozettel für seine Herberge. Ich habe dort dann auch übernachtet, weil die andere Herberge sonntags geschlossen war, und mich mit ihm unterhalten – er bat mich, in Deutschland Werbung für den portugiesischen Weg zu machen (was ich hiermit tue).

Schwierig war dieser Ansatz des „Ankommen und Weiterschauen“ lediglich in Porto, das ich mit zwei anderen Pilgern allerdings auch erst spätnachmittags erreichte. Die meisten Unterkünfte waren bereits ausgebucht, was sicherlich auch daran liegt, dass viele Pilger von Porto aus starten und daher für die erste Nacht reservieren. Man half uns aber weiter, telefonierte herum und fand dann doch noch eine Unterkunft, die zwar weit außerhalb lag, aber sehr gastfreundlich war. Kaum angekommen, wurden wir auch schon zum Abendessen eingeladen.

Landschaft

Wer von Tag eins an seine Ruhe in der Natur haben will, sollte nicht von Lissabon aus starten. Gerade erfahrene Pilger, die den spanischen Hauptweg gegangen sind, waren von den ersten Tagen enttäuscht, weil sie landschaftlich nicht sehr viel hergeben. Zunächst muss man sich aus dem Großstadtdschungel Lissabon herauswühlen.

Es dauert ein paar Tage, ehe man den Eindruck hat, es endlich hinter sich gelassen und das Innere des Landes erreicht zu haben. Dafür genießt man die Landschaft danach umso mehr.

Landschaft auf dem portugiesischen Jakobsweg

Landschaft auf dem portugiesischen Jakobsweg.

Diverses

Der erste Tag war heiß und anstrengend – kein Wunder, Ende August ist es einfach noch ziemlich heiß. Anstrengend war aber auch, dass man die Großstadt und den Verkehr überhaupt nicht los wird. Teils läuft man direkt an großen Straßen und fragt sich, wann man es endlich geschafft hat. Ich habe entgegen der Standardetappen aus den Reiseführern bis Vila Franca de Xira durchgehalten. Alhandra/Alverca do Ribatejo wird oft als Tagesziel angegeben; ich wollte aber so schnell wie möglich aus Lissabon und Umgebung raus, um meine Ruhe zu haben.

In Vila Franca bin ich einer Empfehlung aus dem Kartenführer gefolgt und habe in einer kleinen Pension übernachtet. „Eres peregrina?“ (Bist du Pilgerin?) wurde ich dort gefragt und ich musste kurz nachdenken, bevor ich mit „Sim“ bejahen konnte, dass ich tatsächlich Pilgerin bin. So ganz klar war mir das wohl bis zu dem Moment noch nicht gewesen und es fühlte sich auch noch etwas merkwürdig an. Die Pension war super, ich hatte mein Dreierzimmer für mich allein, die Wäsche wurde umsonst gewaschen, getrocknet und zusammen gelegt (während ich duschte, eine Minirunde durch den Ort drehte und mich im Supermarkt mit Abendessen eindeckte). Dieser Service hat den ersten Abend sehr untypisch gemacht, aber das war zur Eingewöhnung ins Pilgerleben klasse.

Am Abend des zweiten Tages taten mir alle Knochen weh – insbesondere natürlich Beine und Füße sowie Schultern vom Rucksack – es war nach wie vor heiß, aber ich hielt weiter durch, ließ ein, zwei Herbergen liegen, denn davon würde ich später noch genug sehen. So entschied ich mich für eine Privatunterkunft am Rande eines Dorfes. Als ich dort klingelte, öffnete mir die Frau mit den Worten, sie habe mich schon erwartet. Im Dorf hatte eine Gruppe an einer Straßenecke gesessen und mir gewinkt. Eine der Frauen hatte meine Wirtin angerufen, dass eine junge Pilgerin noch ganz allein unterwegs sei, die hoffentlich zu ihr komme, weil danach kilometerweit nichts ist. Ich fand wirklich nett, wie gut man dort auf Pilger aufpasst.

Fazit

Ich kann nur empfehlen, den ganzen Caminho português zu gehen.”

Ich kann nur empfehlen, den ganzen Caminho português ab Lissabon zu gehen. Erst in Porto zu starten, hätte mir nicht gereicht, aber das hängt ja auch davon ab, wie viel Zeit man hat. Bis Porto sind viel weniger Pilger unterwegs, man hat also Zeit und Gelegenheit, nachzudenken und Ruhe zu finden. Trotzdem trifft man in den Herbergen andere Pilger und kann sich austauschen oder sich anderen anschließen.

Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Abstecher nach Fátima zu machen. Dorthin pilgern viele Portugiesen und z.B. in den italienischen Pilgerführern geht der Camino auch über Fátima. Ich habe das aber nicht getan habe, da ich sonst die Pferdestadt Golegã verpasst hätte.

Meine Etappen auf dem portugiesischen Jakobsweg von Lissabon bis Porto

  • 0. Lisboa (Lissabon)
  • 1. Vila Franca de Xira (ruhig am Fluss gelegen)
  • 2. Porto de Muge (Dorf)
  • 3. Santarém (wunderschöne Aussicht über den Tejo)
  • 4. Golegã (Pferdestadt)
  • 5. Tomar (Templerstadt)
  • 6. Alvaiázere (Bergdorf)
  • 7. Rabaçal (ruhiges kleines Dorf)
  • 8. Coimbra (hübsches Städtchen)
  • 9. Mealhada (kleine Stadt)
  • 10. Albergaria-a-Velha (kleine Stadt)
  • 11. São João de Madeira (letzter größerer Punkt vor Porto)
  • 12. Oporto (Porto)