
Puente Sampayo am Jakobsweg in Portugal
Von Dominik Albrech
Der portugiesische Jakobsweg gehörte auch im Jahr 2025 zu den beliebtesten Wegen nach Santiago de Compostela. Seine Vorzüge sind vielfältig: Porto ist mit dem Flugzeug aus vielen deutschen Städten gut erreichbar.
Die Strecke von Porto bis Santiago de Compostela ist mit knapp 250 Kilometern vergleichsweise kurz, das Höhenprofil des Weges ist größtenteils flach; damit lässt sich der Weg auch von Ungeübten entspannt in zwei Wochen zurücklegen.
Die geographische Lage des Weges erlaubt das Pilgern auch zu den Randzeiten im Februar/März und Oktober/November. Durch mehrere Wegalternativen entzerrt sich das Pilgernden-Aufkommen auf dem Weg.
All diese Vorzüge machen den Weg einfacher zugänglich für die meisten Pilgernden, gleichzeitig sagen sie wenig darüber aus, was den portugiesischen Weg wirklich besonders macht. Über drei Highlights und die schönsten Etappen des Camino Portugues, die den Weg für mich so besonders machen, berichte ich in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis
Mein erstes Highlight: Porto
Aus meiner Sicht ist bereits der am häufigsten gewählte Startpunkt des portugiesischen Jakobsweges ein Highlight: die Stadt Porto. Porto hat mein Herz mit seinen schmalen Gassen erobert. Durch die geschäftigen Gassen zu schlendern löst in mir ein Gefühl von Urlaub aus. Außerdem fühlt es sich an, als könnte ich hier bereits die portugiesische Lebensfreude spüren und sie aufsaugen.
Die typischen, bunten – häufig weiß-blauen – Keramikfliesen, die an vielen Häusern der Stadt zu sehen sind, erfreuen mein Auge und mein Herz: So viel Farbe und Abwechslungsreichtum wünsche ich mir auch in deutschen Städten. Wenn Du vor Deinem Weg noch Kunst und Kultur sehen willst, bietet Dir die Stadt auch dazu unzählige Möglichkeiten.
Die quirlige portugiesische Stadt mit rund 230.000 Einwohnern bietet auch ansonsten alles, was das Pilgernden-Herz vor der Reise begehrt: Hier gibt es gutes Essen in einer großen Auswahl und in allen Preisklassen, es gibt eine Vielzahl an Unterkünften (inklusive zweier Herbergen für Pilgernde) und die Stadt bietet zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten.
Falls Dir also auffällt, dass Du noch einen Ausrüstungsgegenstand brauchst oder Du Dich einfach für den ersten Tag mit Proviant eindecken willst: Nirgendwo auf dem Weg ist das so leicht wie in Porto.

Kathedrale in Porto Start des Camino Portugues
Mein Tipp für Pilgernde: Schau Dir die Kathedrale von Porto an und hol Dir dort Deinen ersten Stempel. Die Kathedrale ist der offizielle Startpunkt des portugiesischen Jakobsweges (von Porto aus). Vom Hügel, auf dem die Kathedrale steht, hast Du einen tollen Blick über die Stadt. Der Eintritt kostet 3 €.
Mein zweites Highlight: Der Küstenwegabschnitt hinter Póvoa de Varzim

Neben am Meer auf dem portugiesischen Jakobsweg
Ich verlasse die öffentliche Herberge von Póvoa de Varzim und bewege mich auf das Meer zu. Der Morgennebel steht auf dem Weg. Die Sonne lässt sich schon erahnen, hat es jedoch noch nicht geschafft, sich durch den Nebel hindurchzugraben.
Ich bewege mich auf Holzplanken parallel zum Meer entlang. Das Meer entzieht sich durch den Nebel und die hohen Dünen zu meiner Linken noch meinem Blick, die frische Meeresluft beglückt jedoch schon meine Nase und macht mir Lust auf mehr.
An einer Stelle bietet der Weg die Möglichkeit, über einen schmalen Pfad die Düne hinaufzugehen. Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen. Kurz darauf eröffnet sich mir der Blick auf die unendliche Weite des Ozeans. Hier hat die Sonne den Nebel bereits verdrängt.
Ich lasse mich auf dem Weg nieder und packe mein Frühstück aus. Das Rauschen der Wellen versetzt mich in einen meditativen Zustand und ich bleibe auch noch über mein Frühstück hinaus hier sitzen, um das Meer mit allen Sinnen aufzusaugen.

Meditation am Meer
Póvoa de Varzim ist in einer Etappe von Porto aus zu erreichen. Wenn Du gemütlich planst, bist Du vielleicht auch erst am Ende von Tag zwei dort. Von dort aus führt Dich der Weg eine gute Etappe lang über gut ausgebaute Holzplanken am Meer entlang und bietet Dir immer wieder die Möglichkeit, einen Abstecher ans Meer zu machen.
Egal ob Du dort nur eine Pause einlegst oder Dich dazu entscheidest, einen Sprung ins kühle Nass zu wagen: Für mich bietet dieser Wegabschnitt eine besondere Qualität, auch deshalb, weil er Dich so kurz nach dem Start des Weges dazu einlädt, bei Dir anzukommen und Dich im Rauschen des Meeres zu verlieren.
Mein Tipp für Pilgernde: Wähle für die ersten Etappen auf jeden Fall die Küstenweg-Variante, da der Zentralweg aus Porto heraus eher unattraktiv ist; ich habe ihn stellenweise sogar als gefährlich empfunden (enge Straßen, teilweise ohne Platz für Wandernde). Wenn Du danach auf den Zentralweg wechseln möchtest, ist das von Caminha aus möglich. Mehr zu den Camino Portugues Etappen hier und in unserem eBook hier.
Mein drittes Highlight: Die Etappe von Redondela nach Pontevedra

Blick auf die Flussmündung bei Vigo
Es ist noch dunkel, als ich durch die Gassen von Redondela irre. Zweimal kann ich nur mit Hilfe meines Smartphones feststellen, dass ich falsch abgebogen bin. Doch ich bahne mir meinen Weg aus dem Ort heraus und gefühlt zum ersten Mal auf meinem bisherigen Weg geht es richtig steil bergauf.
Mein erstes Zwischenziel heute ist nur knapp fünf Kilometer entfernt. Von dort aus möchte ich mir den Sonnenaufgang anschauen. Ich bewege mich langsam und stetig, Schritt für Schritt den Berg hinauf.
Die Morgensonne arbeitet sich genauso langsam hinter dem Horizont hervor. Schier endlos geht es den Berg hinauf, bis sich irgendwann mit jedem Schritt die Flussmündung von Vigo meinem Blick etwas mehr öffnet.
Angekommen am Aussichtspunkt von Soutoxuste schaue ich fasziniert dabei zu, wie die aufgehende Sonne mehr und mehr des gegenüberliegenden Hügels mit ihrem rot-orange-goldenen Licht erleuchtet: Was ein Ausblick!
Der Weg führt Dich von diesem Aussichtspunkt durch Arcade und über die Brücke „Puente Sampayo“, die wohl eines der beliebtesten Fotomotive des ganzen Weges ist. Anschließend geht es weiter, bergauf und bergab vorbei an den typischen spanischen Kornspeichern, die wie Tiny Houses auf Stelzen aussehen. Auch der weitere Weg bis Pontevedra hält einige großartige Ausblicke für Dich bereit.
Die letzten Kilometer bis Pontevedra schlängeln sich entlang eines kleinen Flüsschens durch ein moosbewachsenes Waldstück, dessen sattes Grün ein Augenschmeichler ist. Nach circa 18 Kilometern erreichst Du die öffentliche Herberge in Pontevedra, die mit 86 Schlafplätzen zu den größeren gehört.
Trotz ihrer Größe hat sie für mich etwas sehr Persönliches, fast schon Intimes. Im Speisesaal und im Garten der Herberge finden sich viele Pilgernde zum Austausch zusammen; hier kannst Du den Tag nach dieser wunderbaren Etappe entspannt ausklingen lassen.
Mein Tipp für Pilgernde: Starte früh in Redondela, um den Sonnenaufgang vom Aussichtspunkt Soutoxuste aus sehen zu können. Die öffentliche Herberge in Pontevedra kann ich trotz der großen Schlafsäle empfehlen – gerade im Speisesaal kommst Du hier mit anderen Pilgernden leicht ins Gespräch. In Pontevedra gibt es außerdem viele Geschäfte und nette Cafés: das „pumper“ ist eine absolute Empfehlung für alle, die es süß mögen. Details zu Unterkünften und zur Etappe nach Pontevedra hier.
Highlights zum Verweilen
Meinen drei Highlights ist gemeinsam, dass sie mich zum Verweilen angeregt haben. Porto lädt zum Verweilen zwischen der Ankunft und dem Losgehen ein. Am Ort, wo die Aufregung am größten ist, kannst Du Dich noch ein letztes Mal in das volle Leben einer geschäftigen Stadt hineinbegeben, bevor Dich der Weg ruft.
Der Wegabschnitt an der Küste hinter Póvoa de Varzim bringt eine andere Form des Lebens mit sich; dem Meeresrauschen und einer ausführlichen Pause direkt am Meer wirst Du kaum widerstehen können. Die für den Caminho Português ungewöhnliche Perspektive vom Aussichtspunkt von Soutoxuste musst Du Dir erst hart erarbeiten. Umso befriedigender ist es, dort oben zu verweilen und die Aussicht zu genießen.
Was ist Dein Highlight auf dem portugiesischen Weg?
Neugierig geworden? Mehr zu den Camino Portugues Etappen hier und in unserem eBook hier. Mehr Texte von Dominik findest du auf domibility.de.


